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Insight #10: In weniger als 10 Tagen wird El Salvador als erster Staat der Welt Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführen. In diesem Kontext wurde auf der Website des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Beitrag veröffentlicht, der diesen Schritt kritisch betrachtet.

Bereits am 26. Juli 2021 wurde auf dem Blog Portal IMFBlog des IWF der Beitrag Cryptoassets as National Currency? A Step Too Far veröffentlicht. Dieser Artikel hebt einige Vorteile von Kryptowährungen (bzw. generell von digitalen Formen des Geldes) hervor, betont jedoch sehr große Risiken, die mit der Nutzung von Kryptowährungen für Staaten verbunden sein können. Der Beitrag nennt hierbei keine Staaten explizit beim Namen. Ein klarer Bezug zu El Salvador ist aber eindeutig erkennbar. 

Bitcoin wird bald erstmals gesetzliches Zahlungsmittel eines Landes

Das südamerikanische Land El Salvador hat vor wenigen Monaten als erster Staat der Welt beschlossen, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das Gesetz wurde von Präsident Nayib Bukele vorgeschlagen. Das Bitcoin-Gesetz (spanisch: Ley Bitcoin) wurde am 8. Juni 2021 von der Gesetzgebenden Versammlung El Salvadors verabschiedet und verleiht Bitcoin ab dem 7. September 2021 den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels in El Salvador. Das bedeutet, dass Bitcoin u.a. obligatorisches Zahlungsmittel für Einkäufe wird, welches von Unternehmen akzeptiert werden muss.

Präsident Bukele betont bei seiner Idee für das Gesetz, dass rund 70 % der Salvadorianer:innen kein Bankkonto besitzen. Damit sind sie von wesentlichen finanziellen Möglichkeiten ausgeschlossen. Zudem ist El Salvador ein Land, welches stark auf Remittances (zu deutsch: Rücküberweisungen) angewiesen ist. Als Rücküberweisungen oder Remissen werden Auslandsüberweisungen von Migranten in ihre Herkunftsländer bezeichnet. Diese sind im klassischen Finanzsystem mit hohen Gebühren und langen Transaktionszeiten verbunden. Nayib Bukele arbeitet daher im Zuge des Ley Bitcoin eng mit dem Finanzdienstleister Strike zusammen, welcher Transaktionen über das Bitcoin Lightning Network abwickelt.

Das Bitcoin Lightning Network (LN) ist ein Layer 2-Zahlungsprotokoll, das die Technologie von Bitcoin und der Bitcoin-Blockchain erweitert. Das Lightning Network nutzt spezielle Zahlungskanäle (Payment Channels), die eine große Anzahl von Bitcoin Zahlungen ermöglichen. Der Vorteil: diese müssen nicht auf die Layer 1-Blockchain geschrieben werden. Dadurch entstehen wesentliche Vorteile, welche sehr kostengünstige und schnelle weltweite Transaktionen zulassen (u.a. auch Micropayments).

Die Kritik des Weltwährungsfonds 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine selbständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington D.C., USA. Er hat seinen Ursprung im 1944 geschaffenen Bretton-Woods-System fester Wechselkurse zwischen Ländern, als die Leitwährung US Dollar noch mit Gold gedeckt war. Der IWF schützt Länder vor Zahlungsbilanzschwierigkeiten, indem er Kredite an Staaten mit mangelnden Währungsreserven vergibt und sich für die Zusammenarbeit bei der internationalen Währungspolitik einsetzt. Er besteht aus 189 Mitgliedsländern, welche gemeinsam das Kapital für den Währungsfonds aufbringen.

Am 29. August 2021 twitterte der Internationale Währungsfonds erneut, dass Bitcoin riskant und ungeeignet für Staaten ist.

Privately issued cryptoassets like Bitcoin come with substantial risks. Making them equivalent to a national currency is an inadvisable shortcut. Read more in our IMFBlog by the IMF’s Tobias Adrian and Rhoda Weeks Brown

In dieser Blog-Mitteilung sehen die Autoren Krypto-Assets wie Bitcoin als Abkürzung auf dem Weg zur Nutzung besserer, moderner digitaler Zahlungsmethoden für Staaten. Allerdings wird auch gleichzeitig die hohe Preisfluktuation und Volatilität betont.

Bitcoin, for instance, reached a peak of $65,000 in April and crashed to less than half that value two months later.

Diese Sichtweise ist natürlich sehr nachvollziehbar. Die sehr ausgeprägten Veränderungen im Preis von Bitcoin sind ein wesentliches Hemmnis für jede Form von Nutzung als Währung. Zudem haben Staaten nahezu keine Kontrolle oder Möglichkeit zur Einflussnahme auf diese Preisbewegungen, während traditionelle Währungen durch Zentralbanken beeinflusst werden können. 

Der IWF betont in diesem Kontext die Vorteile von CBDCs (Central Bank Digital Currency) und Stablecoins gegenüber preislich schwankenden Krypto-Assets. Interessanterweise erwähnt der IWF an dieser Stelle, dass mehrere Staaten trotzdem überlegen, eben jene Krypto-Assets als legale Zahlungsmittel anzuerkennen – ohne diese Staaten explizit zu benennen. 

The most direct cost of widespread adoption of a cryptoasset such as Bitcoin is to macroeconomic stability. 

Aufgrund der hohen Preisschwankungen von Bitcoin würden signifikante Risiken entstehen, welche die makroökonomische Stabilität bedrohen. Importe, Exporte, Konsumpreise, etc. würden stark schwanken. Unternehmen und Privatpersonen würden viel Zeit damit verbringen müssen zwischen traditioneller Währung und Krypto-Asset hin und her zu tauschen, um ihr Vermögen zu sichern. Steuereinnahmen von Staaten wären unvorhersehbaren Preisschwankungen ausgesetzt. Darüber hinaus entstünden ernste Probleme für die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung sowie Umweltprobleme durch den hohen Stromverbrauch durch Proof-of-Work Mining.

Das Fazit des IWF

Aufgrund dieser und weiterer Kritikpunkte, die im Blog Artikel aufgelistet werden, sei es für Staaten ein „inadvisable shortcut“ dem Beispiel von El Salvador zu folgen. Der IWF empfiehlt stattdessen, dass Staaten die Vorteile von Blockchain-Technologie für sich nutzen sollten, indem sie eigene digitale Zahlungsinfrastrukturen dafür entwickeln. 

 

 

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Quellen:

Internationaler Währungsfond: https://www.imf.org/en/Home
Cryptoassets as National Currency? A Step Too Far: https://blogs.imf.org/2021/07/26/cryptoassets-as-national-currency-a-step-too-far/
IMF Twitter Account: https://twitter.com/IMFNews/status/1431799965521625090
Nayib Bukele Bitcoin Law Tweet: https://twitter.com/nayibbukele/status/1402446890466217985
Central Bank Digital Currency Tracker: https://www.atlanticcouncil.org/cbdctracker/
Bitcoin Lightning Network: https://lightning.network/

Lukas Leys

Mag. Lukas Leys, MSc ist bereits seit dem Jahr 2013 fasziniert von Kryptowährungen, Blockchains und Smart Contracts. Er besitzt viele Jahre an Erfahrung in diesen Bereichen und ist heute zertifizierter Berater, Educator, Vortragender und Speaker.